Bericht aus der Brüssler Blase

Es gibt ein Brüssel und es gibt ein Brüssel. Das eine ist eine Stadt im Niemandsland von arm und reich, Nord und Süd, proper und verlottert. Das andere ist die Blase der inter- und transnationalen Organisationen à la NATO, EU & Co.

Morgens und abends bin ich von dem einen ins andere Brüssel unterwegs. Sie liegen in zwei gefühlt 1000 Kilometer entfernten Zeitzonen. Im Büro eines Europarlamentariers beispielsweise reichen die offiziellen Dienstzeiten never, um alles Begehr der Welt zufrieden zu stellen. Es könnte immer more sein, du könntest stets noch eine Stunde longer bleiben – wären da nicht die natürlichen Begrenzungen einer menschlichen Psychosoma, die ja doch noch ein paar Jährchen funktionieren soll, um dem Gemeinwohl genüge zu tun.

Psychosoma dient in Brüssels inter-/transnationaler Subblase namens EU der hehren Vision eines friedlichen Subkontinents. Bis vor ein paar Jahren schien diese Vision erfolgreich ihrer Verwirklichung näher zu rücken. Währungsunion, Ost-Erweiterung udn Friedensnobelpreis legen Zeugnis davon ab. Doch mit dem Sonnenschein wuchsen auch die Schatten, über deren Existenz längst keine PR-Maßnahmen von Industrie, Politik und Medienmaschinerie mehr hinweg täuschen können.

Dem Wahlspruch »Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit«, mit dem 1789 alles begann, steht 2015 eine Realität wachsender Überwachung, Ungleichheit und Ego-motivierter Entsolidarisierung gegenüber. Daran würde auch mehr Macht für das Europäische Parlament (die einzige Institution auf EU-Ebene, die direkt vom Volk beschickt wird) nichts ändern. Bis dato jedenfalls bemächtigen sich die Europäer’innen herzlich wenig dieses Parlaments (geringe Wahlbeteiligung) und sie gehen Parteien auf den Leim, die die Lobby von Kirchen, anderen Großgrundbesitzenden und Konzernen sind.

Ist Änderung in Sicht?

Griechenland wird heute Sonntag eine Antwort versuchen und uns damit morgen Montag in der Brüssler Blase beschäftigen – egal, wie die Wahl ausgeht, auch wenn es nicht egal ist, wie sie ausgeht…

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Ein Gedanke zu „Bericht aus der Brüssler Blase

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