An Bürgermeister und Gemeinderat von Sigmundsherberg

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Grafik: Land NÖ

Um vorweg etwaige Fantasien aus der Welt zu schaffen: Ich bin ein großer Befürworter der Energiewende, Freund der Windkraft und mir liegt ein vernünftiger Mittelweg am Herzen, der aus meiner Sicht als Entwicklungsforscher nicht so aussehen kann wie im 20. Jahrhundert, das uns durch Gigantomanismus und Casino-Kapitalismus beinah die Chance auf eine lebenswerte Zukunft geraubt hat.

Als Arbeitnehmer in Ihrer Gemeinde bin ich wie viele in Sigmundsherbergs Bevölkerung und in den umliegenden Gemeinden in den Bezirken Horn und Hollabrunn, sowie im Frainer Land auf tschechischer Seite der Staatsgrenze schwer besorgt über die bis dato unveränderten Pläne bezüglich 200 Meter hoher Windkraft-Industrieanlagen, die im Forst von Sigmundsherberg und Meiseldorf errichten werden sollen.

Der Bau des sogenannten „Windparks Sigmundsherberg“ wäre ein Mega-Projekt im Geiste des letzten Jahrhunderts und es wäre die erste Windkraft-Industriezone im Waldviertel, die im Wald errichtet wird – wäre dies ernsthaft ein Zeichen für eine Energiewende mit der Natur?

Wie ist Ihre Antwort, sehr geehrte Damen und Herren? Ich bin kein Freund rhetorischer Fragen. Ich würde mich inständig über eine ergebnisoffene Diskussion freuen!

Die für uns alle so wichtige Energiewende kann weder im lokalen, regionalen noch nationalen Alleingang vollzogen werden. Sie kann nur im Verbund mit unseren europäischen Partnerländern gelingen und vergessen wir dabei nicht die kleinen, individuellen Lösungen, durch die jeder Haushalt etwas beitragen kann! Laut Informationen der „Interessensgemeinschaft Waldviertel“ rund um Jimmy Moser befindet sich eine Energiestrategie in Ausarbeitung. Auch betreffend des Netzausbaues ist ein Masterplan dringend notwendig, um die derzeitigen (Rettungs-)Eingriffe zur Netzstabilisierung auf Grund Überlastung und der damit verbunden Kosten nicht zur Routine werden zu lassen, die auch mit dem unkontrollierten Ausbau von riesigen Windkraftanlagen in Verbindung stehen.

Small is beautiful. Die kleinen, nicht kilometerweit sichtbaren Kraftwerke in/auf/um Haus und Hof sind die wahren Heldinnen der Energiewende – nicht rot blinkende Geister, Gespenster und Monster, die Roland Düringer leider so werbewirksam in Foldern der „Interessensgemeinschaft Windkraft“ verherrlicht…

Als Mitglied von „Windpark-frei – die Bürgerinitiative im Bezirk Horn“ ist es mir außerdem sehr wichtig herauszustreichen, dass diese kollosalen Bauwerke gravierende Fremdkörper in der kleinräumig strukturierten, rau charmanten Landschaft darstellen würden. Die Umgebung rundum würde auf Jahrzehnte entstellt, gute, kreative Geister würden ihr den Rücken zukehren bzw. erst gar nicht hier heimisch werden.

Einen dermaßen inspirierenden Kultur- und Naturraum auf Wunsch von gewinnorientierten Privatfirmen in eine Industriezone unvorstellbaren Ausmaßes zu transformieren? Wer kann das wirklich wollen, wenn er/sie sein Herz an diesen Flecken Erde verloren hat? Was macht es da so schwer zum schützenswerten Land Ja zu sagen? „Ja, wir lieben dich so wie du bist!“ – wieso geht das nicht? Wieder sind dies keine rhetorischen Fragen, sehr geehrte Damen und Herren. Ich frage Sie wirklich und freue mich auf Ihre Antworten!

Die lokale Diskussion und der Dissens in der Bevölkerung, der sich quer durch Familien, Parteipräferenzen und alle Altersschichten zieht, zeigt deutlich, dass die Volksbefragung nicht das Ende vor einem wirklichen Anfang einer vernünftigen Auseinandersetzung sein darf. Sie muss der Start eines demokratischen Prozesses darstellen, um in engem Kontakt mit den Bürger*innen (unter Verwendung lösungsorientierter Kommunikationstechniken wie der Open-Space-Methode) die Chance für das Gemeinwohl zu entdecken. Denken wir neu, quer, innovativ anstatt dem kapitalistischen Trampelpfad von Simonsfeld AG & Co. zu folgen!

Es gäbe noch viel zu sagen, aber Sie werden noch viel Zeit für das Lesen aller weiteren fachlichen wie persönlichen Stellungnahmen brauchen. Unabhängige, anerkannte und seriöse Gutachter*innen, die nicht (in)direkt durch die Windkraftindustrie bezahlt werden, könnten wahrscheinlich weitere Fakten ans Tageslicht fördern, die bis dato noch gar nicht Berücksichtigung finden. Ein Windpakt, ein Gestattungsvertrag, sowie die Ausweisung einer § 19-Zone sind noch lange keine Einbahnstraße ohne Möglichkeit zur Umkehr!

Es liegt somit auch in Ihrer Verantwortung, lieber Bürgermeister Franz Göd und sehr verehrte Gemeinderät*innen, ob das Waldviertler Wohlviertel landschaftlich, touristisch und als Wohnstandort das Potenzial behält sich wirklich zukunftsträchtig weiterzuentwickeln oder mit 200 Meter hohen Kraftwerktürmen schlichtweg verlorengeht.

Mit herzlichen Grüßen und in der innigen Hoffnung auf eine Lösung mit und nicht gegen Mensch und Natur,

Mario Lackner (Mag. der Internationalen Entwicklung)

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