Bei der Volksbefragung in Sigmundsherberg haben alle verloren

Foto: Bürgerinitiative Lebenswertes Sigmundsherberg

Foto: Bürgerinitiative Lebenswertes Sigmundsherberg

Die Volksbefragung am 12. Oktober ist knapp aber doch mit einem Doppel-Ja ausgegangen. Bürgermeister und Gemeinderat wischen sich den Schweiß aus der Stirn, profitierende Bank und Aktiengesellschaft nicken erleichtert und die Grundeigentümer der Flächen, auf denen die 200 Meter hohen Kraftwerktürme gebaut werden sollen, freuen sich auf den vielleicht bald schon einsetzenden (jedoch relativ bescheidenen) Geldregen – allen voran das Stift Geras.

Klar, dass in dieser Siegerstimmung Bürgerinitiativen stören, die am Boden geblieben sind, die der Bevölkerung keinen Sand in die Augen streuen und Zeuginnen einer gewaltigen PR-Kampagne wurden, die ihr Ziel nicht verfehlt hat.

Die Lokalpolitik kann sich nun aber nicht entspannt zurücklehnen. Die direkt betroffenen Ortschaften haben klar gegen die Verringerung der Mindestabstände der Kraftwerkriesen zum (zu nahen) Siedlungsgebiet gestimmt. Die dortigen Bürger haben sich mehrheitlich nicht von Hochglanz-Plakaten und -Broschüren, sowie der Gemeindezeitung verwirren lassen, die die Volksbefragung zu einer Abstimmung für oder gegen Windkraft erklärt hatten, obwohl es doch nur um besagte Mindestabstände ging!

Wie viele tausende Euro hat wohl die blendende Werbekampagne der Aktiengesellschaft gekostet, Gratis-Busfahrten, -Getränke, -Essen und -Energiesparlampen inklusive? Die Wahlzuckerl haben nicht bei allen gewirkt – welche Auswirkungen wird das alles noch auf die Gemeinderatswahlen im Jänner haben?

Die Strategie der Aktiengesellschaft ist jedenfalls fürs erste aufgegangen und die, die aufmerksam und mutig genug sind auszusprechen, was da am 12. Oktober in Sigmundsherberg passiert ist, werden als Windkraftgegner, Fanatiker und schlechte Verlierer verunglimpft. Randnotiz: Ich habe bis dato keinen einzigen Windkraftgegner kennengelernt, aber zahlreiche beherzte Fürsprecher*innen für ein Waldviertel, dass zukünftig hoffentlich kreativere und innovativere Wege geht als Windkraft-Industrieanlagen im Wald!

Wer hat schlussendlich verloren? Im Endeffekt alle in einem derart respektlosen Gesprächsklima. Andere Zugänge und Sichtweisen werden nicht angehört und lächerlich gemacht anstatt auf Augenhöhe gemeinsam Wege zu finden, die gut für alle wären – nicht nur für die Aktiengesellschaft und ein paar Grundeigentümer. Verloren haben außerdem auch noch der Wald, die Tiere und die Landschaft, die am 12. Oktober nicht stimmberechtigt waren. Hätten sie sich für schnelles Geld oder den Lebensraum Waldviertel entschieden?

Haben wir jetzt also endgültig die Chance auf bessere Zukunftsaussichten im Waldviertler Wohlviertel verspielt als 200 Meter hohe, viel zu nahe Kraftwerkriesen? Volle Kraft voraus in einen hoffnungslosen Ausverkauf oder nimmt diese Geschichte doch noch einen anderen Verlauf?

fragt Mario Lackner, Autor (u. a. von Asta in den Sommerbergen und Conchita Wurst – backstage) und sozialdemokratischer Politikberater

P. S. durch die „Freunde des Waldviertels“: Sigmundsherberg hat gewählt. Trotz hohen Aufwands haben es zwei politische Parteien und eine Aktiengesellschaft plus Gemeindevertreter-Unterstützung relativ knapp geschafft, dem größeren Teil der ansässigen Bevölkerung den eigentlichen Sinn und Zweck des „Waldviertler Wohlviertels“ auszureden, und damit der Windkraft-Industrie ihre Stimme zu geben. Die Differenz lag mit 1365 abgegebenen Stimmen bei Frage 1 bei 188 Stimmen, bei Frage 2 bei 44 Stimmen. Einzig die Ortschaft Brugg war eindeutig gegen die drohende Luft- und Naturzerstörung. Sie würde sich inmitten der zwei Windparks mit ihren 200 Meter hohen, rot blinkenden Rotormasten befinden. Generell stellt sich nun die Frage, was eine Gemeinde, die ihre Natur- und Kulturlandschaft der Windkraftindustrie opfert, noch zum allgemeinen Verständnis des „Waldviertler Wohlviertel“-Gedankens beiträgt. „NATUR PUR-G’sunde Lebensqualität“, wie der Slogan auf der leader-wohlviertel.at website lautet, wird wohl bald als Hohn verstanden werden, denn nichts davon wird dort mehr anzutreffen sein. Kaum jemand ist heute fähig, sich die wahren Ausmaße und Auswirkungen der Monster-Wka auf dieses Land und seine Leute vorstellen zu können. Das Waldviertel, so wie wir es schätzen und lieben, schwebt in höchster Gefahr. Das muss uns spätestens jetzt klar sein.

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