JA ZUR THAYATAL-BAHN als Waldviertler Zukunftsprojekt!

Ein persönlicher Kommentar von Ulrich Lintl

Die Geschichte der Thayatalbahn möchte ich hier kurz via Wordrap abhandeln:

1903 in Betrieb genommene Eisenbahn, ursprünglich vom südlichen Waldviertel bis ins heutige Südtschechien gehend, mit Aufziehen des eisernen Vorhangs 1945 an der Staatsgrenze endend. Nach Fall des eisernen Vorhangs hat es zahlreiche Pläne und Initiativen gegeben, die Thayatalbahn zu revitalisieren und wieder mit dem tschechischen Eisenbahnnetz zur verbinden. Alle Bemühungen sind bisher leider gescheitert und seit 2013 ist die Zerstörung der Bahntrasse im Gange.

Ich persönlich habe einen starken Bezug zur Thayatalbahn: Ich stamme aus Markl, Gemeinde Windigsteig im nördlichen Waldviertel. Die Bahn habe ich von unserem Haus sehen können, wie sie von Windigsteig nach Schwarzenau gefahren ist. Schon in der Volksschule haben mich besonders die Gütertransporte während der Erntezeit fasziniert, wo dann Güterzüge mit bis zu 3 Loks geführt worden sind. Mein Vater war Eisenbahner und er hat mir viele Dinge über die Bahn, die Loks und Waggons erzählen können. Auch der eine oder andere Besuche bei Bahntätigkeiten wie Güterwaggonabholungen war mir dadurch möglich.

Von 1988 bis 1996 bin ich acht Jahr lang  mit der Thayatalbahn von Windigsteig nach Waidhofen/Thaya in die Schule gefahren. Schon als Kind war ich von der Geschichte der Bahn fasziniert. Als Jugendlicher, nachdem der eiserne Vorhang gefallen war, wuchs die Faszination einer (wieder) grenzüberschreitenden Verbindung ebenso konkret wie stark. Ein Lehrer von mir war ein sehr slawophiler Mensch und hat engen Kontakt mit dem Verein Neue Thayatalbahn gehabt. Eine ausgebaute, grenzüberschreitende Bahnlinie zwischen dem Waldviertel und Südtschechien wäre eine tolle Chance für beide Regionen gewesen – nachdem beide 50 Jahre unter der Randlage am Eisernen Vorhang gelitten hatten…

2011 kam aber dann DER GROSSE SCHOCK: Nachdem rund 20 Jahre nichts Konkretes in Richtung Bahnausbau passiert ist, hat das Land Niederösterreich, kurz nachdem es die Regionalbahnen vom Bund übernommen hatte, die Einstellung des Bahnbetriebes und die Abtragung der Bahntrasse verkündet. Die Geschichte über den Nicht-Ausbau und die Abtragung der Thayatalbahn ist eine lange und unrühmliche. Es gibt hier aber ganz klar 3 Hauptverantwortliche:

  1. Die ÖBB, welche das Projekt nie realisieren wollten – wie besonders die Galleonsfigur es Vereins Neue Thayatalbahn Egon Schmidt leidvoll hat erfahren müssen;
    unfassbar daran finde ich, dass der Staat den Verantwortlichen der staatlichen ÖBB das hat durchgehen lassen
  2. Die SPÖ, allen voran Infrastrukturministerin Doris Bures; sie hat – sie war die letzte in einer langen Reihe von Verkehrs-/Infrastrukturministern, die zuerst den ÖBB das Verschleppen des Bahnausbaus durchgehen haben lassen und zum Schluss die Regionalbahnen dem Land Niederösterreich am Silbertablett zum Tranchieren serviert hat
  3. Die ÖVP-Niederösterreich, welche ja fast deckungsgleich mit dem Landeshauptmann Erwin Pröll ist; nachdem sich Dr. Pröll von 1991-2009 mehrfach und klar zum Ausbau der Thayatalbahn und Wiederanschluss ans tschechische Bahnnetz bekannt hat, so hat er ein Jahr nach der Übernahme der Regionalbahnen die Einstellung und Abtragung der Thayatalbahn und von weiteren niederösterreichischen Regionalbahnlinien verkündet.

Seit 2013 sind die Abtragungsarbeiten der Bahntrasse im Gange. Aktivisten des Verkehrsforum Waldviertels (ehem. Neue Thayatalbahn) versuchen ebenso leidenschaftlich wie verzweifelt, die Abtragung zu verhindern, um die Bahn doch wieder in Betrieb nehmen zu können. Vereinzelt gibt es dabei seit einigen Monaten auch wieder positive Stimmen von Lokalpolitikern in der Region. Die einzige realistische Chance aus meiner Sicht das zu schaffen ist jedoch die, dass sie auf dem Rechtsweg die widmungsbezogenen Enteignungen aus der Kaiserzeit rückgängig machen können.

Zur Erklärung: Die Grundstücksenteignungen um 1900 herum sind an die Bedingung geknüpft, dass es eine Eisenbahn gibt. Leider kommt meine Vernunft aber zum Schluss, dass auch dafür die Chancen unter 50 % stehen. So ist es zu fürchten, dass die aktuell an der Macht befindlichen, politisch destruktiven Kräfte mit ihrem Zerstörungswerk einmal durch kommen. Ich bin einer von vielen Menschen in und außerhalb des Waldviertels, den diese Vorgangsweise in höchstem Maße verständnislos und wütend macht.

Ich gehöre aber auch zu denjenigen, die sagen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. In einer nicht ganz so nahen Zukunft werden sich die politischen Verhältnisse drehen, völlig neue Kräfte müssen und werden ans Ruder kommen! Und dann endlich wird es auch eine moderne, grenzüberschreitende Thayatalbahn geben, die ein mehr als wichtiger, die ein entscheidender Lebensimpuls für die seit ewigen Zeiten benachteiligte Region Waldviertel ist – meiner Herkunftsregion mit der ich mich sehr verbunden fühle!

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3 Gedanken zu „JA ZUR THAYATAL-BAHN als Waldviertler Zukunftsprojekt!

  1. Jiří Kacetl

    „ursprünglich vom südlichen Waldviertel bis ins heutige Südtschechien gehend“ – Besser als „Südtschechien“ würde ich für den Raum Zlabings – Teltsch – Iglau, wohin die Thayatalbahnstrecke führte, den Begriff „Westmähren“ benutzen.

    Antwort
    1. DAS!ALLES Autor

      Bin da ganz Ihrer Meinung, Herr Dr. Kacetl! Der Gastkommentator kennt die genauen Bezeichnungen leider nicht, da in Österreich wohl nicht einmal 1 % der Bevölkerung die regionalen Bezeichnungen seiner Nachbarländer kennt. Ist das nicht beschämend wie wenig wir uns als Gesellschaft mit unseren Nächsten beschäftigen?

      Antwort
  2. Ulrich Lintl

    Als Autor des Gastkommentars halte ich es für wichtig, sich nicht auf geographische Details zu konzentrieren, sondern das gemeinsame, positive Projekt in den Vordergrund zu stellen.
    Die Menschen auf beiden Seiten der Grenze, in Österreich und in Tschechien, haben es sich verdient, dass ihre Regionen durch eine verbindende Eisenbahn belebt werden!

    Antwort

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