FRAINER PROKLAMATION für positive Regionalentwicklung / gegen das Projekt „Windpark Nord“

Dies ist die deutsche Übersetzung der Frainer Proklamation vom 29.1.2014, die von über zwanzig Bürgermeistern aus Südwestmähren unterschrieben wurde:

Wir, Gemeinde- und StadtvertreterInnen Südwestmährens, sind mit dem im Rahmen des sog. Windpark Nord geplanten Aufbau von Windkraftwerken, dessen Investoren drei österreichische Grenzgemeinden Hardegg, Weitersfeld und Langau gemeinsam mit Österreichischen Bundesforsten sind, nicht einverstanden.

Für die Nichtübereinstimmung führen wir folgende Gründe an:
a) Das Gebiet des geplanten Aufbaus grenzt nicht nur dicht an die tschechische Staatsgrenze, sondern auch an den bilateralen Nationalpark Thayatal / Podyjí. Das Gebiet grenzt direkt an die Mikroregionen um Frain an der Thaya und Jamnitz, die seit Ende des 19. Jahrhunderts dank vielen preiswerten Naturszenerien und historischen, adeligen oder kirchlichen Sehenswürdigkeiten zu ausgesuchten Ferienurlaubszielen wurden. Alljährig kommen sowohl tschechische als auch ausländische Gäste, um eine pure ländliche Gegend zu besuchen. Die Einzigartigkeit dieses Gebietes ist auch dank zahlreicher Aussichtstellen mit schönem natürlichem Hintergrund ohne Störelemente moderner Zivilisation gegeben.

b) Unverletzte Natur und schöne Gegend mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten sind das Hauptpotenzial unserer Region. Wegen der Absenz von Industrie und extensiver Landwirtschaft sind unsere BürgerInnen, die wir demokratisch vertreten, im großen Ausmaß vom Fremdenverkehr und dazugehörigen unternehmerischen Aktivitäten abhängig. Nach dem Aufbau würden die Windkraftwerke des Windparks Nord wegen ihrer Riesenhöhe zur dominanten Landmark der meisten Aussichtstellen und Szenerien. Die Sichtbarkeit und Nähe der riesigen technisch-industriellen Bauten würde den Charakter der Landschaft beträchtlich verändern. Zum Beispiel das Frainer Schloss – berühmte und von Fern sichtbare dominante Perle der mährischen bzw. österreichischen Barockarchitektur (Arch. J. B. Fischer von Erlach) – würde bei der Betrachtungsweise Richtung Süd „rotierende Riesen“ im Hintergrund haben. Mit solch einem Motiv könnte man keine attraktiven Werbebilder machen, die TouristInnen zum Besuch der Gegend locken würden.

c) Wir befürchten, dass durch die Verwirklichung des geplanten Windparks das Renommée dieser bedeutenden Erholungsdestination einen Schaden erleidet. Infolgedessen wird die Prosperität im Wirtschaftssegment Tourismus sinken und es kommt zur Erhöhung der schon jetzt hohen Arbeitslosigkeit in unserer Region. Langfristig kann der Windpark Nord das Leben der ganzen Region lähmen und die Entvölkerung des südwestlichen Mährens beschleunigen. Wir weisen auch darauf hin, dass die Situation jenseits der Grenze nicht anders wäre.

Wir glauben, dass seitens der österreichischen Behörden der Wille bestehen wird, sämtliche Argumente noch einmal komplex zu beurteilen und den geplanten Aufbau Windpark Nord zurückzuweisen. Wir sind der Meinung, dass es unersetzbarer Fehler wäre, wegen lokalen wirtschaftlichen Interessen und kurzfristigen konjunkturellen Tendenzen, die aussichtsvoll angelaufene Zusammenarbeit der österreichischen und mährischen Gemeinden im Fremdenverkehrsbereich unumkehrbar zu beschädigen. Wir können uns nicht vorstellen, dass auf diese Art und Weise die von Generationen unserer Vorfahren geerbte Gegend mit österreichisch-mährischem Thayatal zerstört werden könnte.

Verfasst in Frain an der Thaya am 29. Jänner 2014.

Ing. Lubomír Vedra
Bürgermeister des Marktes Frain an der Thaya und der Vorsitzender der Mikroregion Frainer Land / Vranovsko (et al.)

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4 Gedanken zu „FRAINER PROKLAMATION für positive Regionalentwicklung / gegen das Projekt „Windpark Nord“

  1. Gerhard Schützenhofer

    Guten Tag

    Ich möchte zuerst wissen wie die Gegner dieser Windkraftanlagen die in Böhmen& Mähren vorhandenen Atomkraftwerke und die davon latent ausgehende Gefahr beurteilen. Sind diese Kraftwerke doch eine mögliche Gesundheits und Lebens Bedrohung von unter Umständen Hunderttausenden Menschen weit über den Unmittelbaren Raum unserer näheren Heimat. Eine diesbezügliche Stellungnahme der Verantwortlichen dieser vorliegenden Petition ist zur Entscheidungsfindung ob dies unterstützenswert ist unverzichtbar.
    Genau gesagt: Was sehen oder bieten sie als Alternativen für die Energiegewinnung durch Windkraft.
    DAS INTERESSIERT DIE MENSCHEN, etwas nur ablehnen ohne Alternativen zu bieten wird nicht erfolgreich sein. Denn eines ist mir wie vielen meiner Bekannten klar. Auch wenn wir “ Grün“ denken, mit irgend einer Variante für die Stromgewinnung werden wir auch in Zukunft leben müssen. Das sollte aber NICHT ATOMSTROM sein!
    Zu dem hat Österreich Nein gesagt, und das ist in Ordnung.
    Unsere Nachbarn leider nicht.
    An einer Antwort bin ich sehr interessiert.

    Mit freundlichem Gruss

    Gerhard Schützenhofer

    Antwort
    1. DAS!ALLES Autor

      Schönen Tag, Herr Schützenhofer!

      Die Befürworter*innen einer nachhaltigen, volkswirtschaftlich sinnvollen Regionalentwicklung sind für die Windkraft und andere erneuerbare Energiequellen, sofern sie nicht gegen Interessen des Allgemeinwohls verstoßen. Im Falle des geplanten Windpark Nord ist die Sachlage breit und fundiert diskutiert worden und Ihnen sind die zahlreichen Stellungnahmen sicherlich bekannt. Ich als Konsulent für die Bürgerinitiative Thayatal habe noch keinen einzigen WKW-Kritiker kennengelernt, der für die Kernenergie ist, sprich die besorgten Bürger*innen sind allesamt gegen die AKWs in Tschechien und anderswo.

      Es gibt zahlreiche Alternativen zur gigantomanischen, waldzerstörerischen, veralteten Windkraft-Technologie, wie sie im Falle des Windparks Nord Anwendung finden soll: Repowerment bestehender Kraftwerke, Stromsparen und Energieeffizienzsteigerung, individuelle Lösungen fördern anstatt den Energiekonzernen die Millionen zuschanzen, umweltschonende Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energie fördern und Pilotprojekte umsetzen, und und und.

      Unsere Ablehnung geht Hand in Hand mit unseren Vorschlägen betreffend alternativer Lösungen, daher auch die Facebook-Seite „Windkraft in Österreich“. Ich hoffe, dass diese Antwort zufriedenstellend für Sie ausfällt. Darüber hinaus stehe ich Ihnen gerne jederzeit für ein Telefonat zur Verfügung!

      Mit herzlichen Grüßen,

      Mag. Mario Lackner
      Chefredakteur GrenzlandDemokratie

      Antwort
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