Streitgespräch zum Zugewinn der FPÖ

Montag, 30 September 2013, der Tag nach der Nationalratswahl 2013. Gerald (Mitte 40, Künstler in Wien und in der Steiermark) und Mark (Mitte 30, PR-Berater und Autor in Wien, Ober- und Niederösterreich) liefern sich per SMS ein Streitgespräch über den Zugewinn der FPÖ.

Gerald: Bei dem gestrigen Ergebnis kann ich nur noch Heil! schreien.

Mark: Heil dir! ,-)

Dieses Land ist blöd – anders ist der Sieg der FPÖ nicht nachvollziehbar!

Dieses Land ist verführt und Menschen sind in der Masse keine Wunderwuzzis. Übrigens sitzen im neuen Parlament a) weniger FPÖ/BZÖler und Stronach-Puppen und b) mehr Grüne als vor der Wahl, sprich es wird besser. Überprüfe also deine Wahrnehmung.

Es wird nicht besser, lieber Mark. Europa steuert einer großen Katastrophe zu. Wenn du das nicht sehen kannst, dann ist das gut für dich, da du nicht leiden musst. Aber beleidige nicht meine Intelligenz, in dem du versuchst, die Dinge schönzureden. Klartext ist angesagt, nicht Verständnis!

Ich red nix schön, ich stelle fest. Das Plus der Neos und der Grünen zusammengerechnet ist auch für meinen Geschmack zu mager – keine Frage! Interne Gründe gibts bei den Grünen haufenweise, aber klar, dass du das nicht sehen kannst, da du ja nicht so nahe dranstehst und nicht Teil ihrer Kampagne warst, so wie ich.

In diesem Land muss man rechts außen sein, um erfolgreich zu sein, aber sicher nicht fehlerlos. Das ist anzuerkennen!

Wer war denn fehlerlos? Die erfolgreichste politische Strömung ist in Österreich übrigens die SPÖ, falls es dir entgangen ist ,-)

Mit dem schlechtesten Ergebnis aller Zeiten! Schade, dass du nicht sehen kannst, was da wirklich passiert 😦

Und ob! Die große Gewinnerin war die neue Bürgerbewegung Neos mit über 5 % Plus, nicht die FPÖ und auch der Nichtwähleranteil stiegt nicht so stark an, wie die Neos zugelegt haben. Von denen könnten Grüne und Sozis viel lernen, um die F einzudämmen. Sie müssten nur endlich aufwachen diese Pappenheimer und -Innen! Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Mark, du bist wirklich unglaublich. Jedenfalls bin ich tief davon überzeugt, dass dieses Land nicht vor einem Abgrund steht, sondern ein Abgrund ist. Kein Punschkrapferl (außen rosa, innen braun) und ich möchte nicht so ignorant sein das nicht zu sehen. Weil ICH an EUCH glaube *kotz! Träum weiter, mein Lieber!

Hoffen ist nicht Träumen. Wach auf und sehe, dass sich Österreich mit dieser Wahl schwarz auf weiß belegbar weg von rechts bewegt hat! Mathematik, Gerald! Die NichtwählerInnen gilt es halt endlich in den demokratischen Prozess zu (re)integrieren.

Jetzt wirst du ulkig ,-)

Schon interessant, dass du mich lieber zum Ulki stilisierst, als in der Wirklichkeit anzukommen. Wer ist da der Träumer von uns beiden? Wer der Realo? Schau dir die Wahlergebnisse an und lass dich nicht von Medienberichten und Emotionen anderer täuschen. Gestern war kein Rechtsruck! (Bitte so wie Fränk Stronach aussprechen:) Nochamal: FPÖ, BZÖ und meine Team Stronach mit einigermaßen Charakter sind weniger geworden. Konstruktive Kräfte, sprich Neos und Grüne, stärker.

Ich möchte in einem Land leben, in dem die FPÖ ihre 5 bis 10 % hat. Das steht ihnen zu. Nicht in einem Land, in der diese Art von Nächstenliebe belohnt wird. Dafür brauch ich keine Medienberichte.

So ein Land ist möglich, wenn die konstruktiven Kräfte in Klausur gehen – da mein ich jetzt nicht nur die Grünen mit ihrem durchwachsenen Resultat, sondern auch die Verliererinnen SPÖ und ÖVP. Best Practice betreiben! Direkt auf die Menschen zugehen, wie Neos! Österreich war früher ein Land mit 5 bis 10 % FP-Wähleranteil und kann es auch wieder werden. Ich vermute aber, dass bis auf Neos alle weiterwurschteln werden…

In der Steiermark haben SPÖVP gemeinsam konstruktiv gut gearbeitet und viiiele wichtige Reformen beschlossen. Ihr Wahlergebnis spricht für sich. Die Menschen wollen Hass und Ausgrenzung … Streit und Kampf … das gibt dir das Plus am Wahltag.

Nein, die Menschen wollen in Entscheidungsprozesse eingebunden und nicht mit Reformen zwangsbeglückt werden. Die FPÖ hat die Stimmung in der Steiermark geschickt für sich nutzen können, da sie ein offenes Ohr für die Leute hat und eine einfache Sprache spricht. Kommen die Grünen beispielsweise von ihrem hohen Ross, binden einfache Leute ein anstatt sie zu beäugen, weil sie nicht gendersensibel oder fehlerfrei reden und schreiben können, dann muss das Feld nicht allein Hatschi überlassen werden!

Ich glaub, dass du das wirklich und ernsthaft glaubst. Das find ich süß und auch a bisserl arrogant ,-)

Arrogant=überheblich ist das nicht, das nennt sich gelebte Bürgernähe. Das signalisiert die FPÖ relativ gut, daher ihr Erfolg. Das sie parallel dazu Rassismus fördert, ist das Ungustiöse. Das Schüren von Xenophobie kann in einer rassistischen Gesellschaft wie der dominant deutschsprachigen Mitteleuropas zwar Teil des politischen Erfolgs sein, jedoch ist das nicht der entscheidende Faktor. Siehe Zugewinne von Union und SPD vor einer Woche in Deutschland, aber auch hier bei uns gestern in Österreich, wo sich weder die (bedenklichen) 25 % NichtwählerInnen noch die vom Rest verbleibenden 80 % von Straches Parolen angesprochen fühlten!!!

Du bist und bleibst unverbesserlicher Optimist ,-) Wann gehen wir auf a Bier?

Prost, Gerald! 🙂

strache_hc-man

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