Grünes Wundenlecken und eine Sanduhr, die bis 2018 rieselt.

Alle Parteien, die heute nicht kräftig jenseits der drei, vier Prozent zugelegt haben, sollten für einen Moment nicht in äußeren Faktoren die Verantwortung für den mäßigen Erfolg oder gar Misserfolg bei den heutigen Nationalratswahlen verorten. Für einen Moment nur, bevor diesen und jenen Rahmenbedingungen wieder wie so oft die Schuld für das durchwachsene Ergebnis gegeben werden kann. Die Grünen (+ 2%) oder die SPÖ wie ÖVP (- 2%) etwa sollten besonnen den Blick nach innen wenden, und sich fragen: Wie kann intern (noch viel mehr) ein Klima der Begeisterung, des gegenseitigen Vertrauens und Engagements für das große Ganze kreiert werden? Wie können wir gemeinsam (noch glaubwürdiger) eine Ausstrahlung, ein Image erzeugen, das die Basis für erfolgreiche Wahlkampagnen und nachhaltige, bürgernahe Politik darstellt?

Exemplarisch seien die Grünen unter die Lupe genommen, die sich von PR-Profis für das Superwahljahr 2013 eine exzellente Kommunikationsschiene auf den Leib schneidern ließen, die mittlerweile (zurecht!) von der Schwesterpartei in Luxemburg übernommen wurde. Eigentlich passen die neuen Kleider wie angegossen, wenn zeitgemäße PR-Tools noch konsequenter integriert würden und aus Fehlern gelernt wird:

Da werden stylishe Vorzugsstimmen-Flyer gedruckt, auf denen weder auf die Wahl noch auf ihr Datum hingewiesen wird. Da werden überladene Internetseiten angelegt, auf denen Links tagelang nicht funktionieren und Spitzenkandidat*innen lieber nach persönlichen Vorlieben gefragt werden (Vanille oder Schokolade?) anstatt Inhalte, Haltungen und Charaktereigenschaften ins Rampenlicht zu rücken. Männliche Kollegen werden aufgefordert ihren Vorzugsstimmenwahlkampf zu beenden, um die Frauenquote nicht in Gefahr zu bringen (vgl. DieGrünenFrauenWien.at), interne Konkurrenz wird versucht mit öffentlich gemachten Unwahrheiten zu schwächen und auf Facebook wird zwischen den diversen Grünen Seiten und Politikerprofilen nur kooperiert und geliket, wenn man einander mag anstatt persönliche Befindlichkeiten wenigstens für vier Wochen Wahlkampf ad acta zu legen, um das groß und ausgegebene Ziel realisieren zu können:

Gemeinsam schaffen wir das.

1172461_705945629422651_1419469150_oHaben nicht nur dafür prädestinierte Parteien wie das Team Stronach und die FPÖ ein Ego-Problem (vgl. Artikel), sondern auch die Grünen, wenn auch subtiler? Die Grüne Alternative, die altruistisch, tolerant und basisdemokratisch gilt, vielleicht aber den eigenen Ansprüchen (noch) nicht (oder nicht mehr?) gerecht wird? (vgl. EfganiDoenmez.at)

So gesehen wenig überraschend, dass die 15 %-Traummarke der Grünen nach 2008 auch 2013 eine Traummarke geblieben ist, nicht wahr? Alternativen zu internen Hemmnissen gibt es (auch bei VP und SP) wie Sand am Meer – füllte man eine Handvoll in die Sanduhr ein, die bis 2018 rieselt, so könnte bei der nächsten Nationalratswahl die Freude groß sein.

Meint Mario R. Lackner, Entwicklungsforscher (Mag. dank transdisziplinärem Studiums Internationale Entwicklung), Autor, Dipl. Sexualpädagoge und Leiter des Beratungsstudios DAS!ALLES für Politikberatung, Creative Consulting und Kommunikationstraining. Er konzipierte 2012/2013 seine eigene Kampagne zur niederösterreichischen Landtagswahl, arbeitet(e) bei unterschiedlichen Parteien programmatisch mit (Gesundheit, Jugend, Bildung und Globalpolitik) und betreut aktuell Politiker auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene. Im September erschien sein gesellschaftskritischer Roman „Asta in den Sommerbergen“ als zweiter Teil einer Trilogie im Verlag Berger, zu dem Sie und du hiermit herzlich zu einer multimedialen LeseShow am 19.1.2014 in Linz eingeladen sind: Link

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3 Gedanken zu „Grünes Wundenlecken und eine Sanduhr, die bis 2018 rieselt.

  1. Margareta Tiefengrabner

    Einige Erlebnisse auf fb mit Grünen bestätigen oben Beschriebenes. Obwohl ich Mag. Werner Kogler, wie ich aus Bezirk Hartberg persönlich kenn und schätze hab ich doch neos gewählt, auch wegen des grossen Einsatzes von Dominik Berghofer in meinem Wahlkreis.

    Antwort
  2. Pingback: 18.000 LESERinnen im 1. Jahr – DANKE! | GrenzlandDemokratie

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