Das Geheimnis des Erfolgs der Neos ist gar kein Geheimnis.

Der anerkannte Politologe Peter Filzmaier schrieb vor einer Woche in Bezug auf die heutige Nationalratswahl in den Oberösterreichischen Nachrichten: „Wahlen werden mehr durch reale Wählerkontakte bei Hausbesuchen entschieden. Dafür sind alle Parteien zu wenig motiviert.“ (vgl. auch ORF.at)

Anstatt auf ausführliche, direkte Bürgerkontakte zu setzen, verließ man sich im alpenrepublikanischen Wahlkampf 2013 auf

  • Händeschütteln samt inhaltsarmen Ein-Wort-Botschaften auf Plakaten und Inseraten (SPÖ),

  • Händeschütteln und Dirty Campaigning einer erfolglosen deutschen Werbeagentur (ÖVP),

  • Händeschütteln und nächstenlieb getarnte Angstmache auf allen Informationskanälen, Facebook inklusive (FPÖ),

  • TV-Auftritte des Spitzenkandidatens, Facebook exklusive (BZÖ),

  • lammfromme Wellness-Touren durch Stadt und Land (Grüne) und

  • viel Geld – so richtig viel Geld – von Onkel Fränk (TS).

Einzig die neue Bürgerbewegung Neos rund um Matthias Strolz und Beate Meinl-Reisinger (sponsored by HPH) drückte massivst auf die Tube, gab über die letzten Wochen 110 % und mehr und zeigte, wie bereits heute erfolgreiche Wahlkampagnen von morgen umgesetzt werden können – obwohl auch bei Neos (wie bei allen anderen Mitbewerberinnen) in puncto integrierter PR noch Optimierungspotenzial schlummert…

Bildschirmfoto 2013-09-29 um 15.40.17Neos hat schon Monate vor den anderen Parteien a) die für Filzmaier als entscheidend angesehenen Hausbesuche und Informationsabende organisiert, b) seine Wahllisten demokratisch von Vorstand, Mitgliedern und interessierten Bürger*innen erstellen lassen, c) alle Finanzflüsse transparent gemacht und d) ein liberal-konservatives Wahlprogramm erarbeitet, das nicht Probleme und das Versagen „der Anderen“ fokussiert, sondern Lösungen. Pragmatische Lösungen für ein gutes Miteinanderauskommen – das Tagesgeschäft politischen Wirkens im 21. Jahrhundert …eigentlich, nicht wahr?

Darüber hinaus war bei Neos in der Endphase des Wahlkampfs die mediale Aufmerksamkeit dank Schattenminister Haselsteiner zündend und ein Teamgeist spürbar, der die gemeinsame Sache über persönliche Befindlichkeiten und Egotrips stellte. Altruismus statt Egoismus – bemerkenswert bei einer pro-kapitalistischen Partei mit Selbstbestimmungsdogma. Die Führungskräfte der vier etablierten Parteien Österreichs haben diesen Schlüssel zum Erfolg offensichtlich noch nicht entdeckt.

Mehr dazu, aufgezeigt am Beispiel der Grünen, im folgenden Artikel Grünes Wundenlecken und eine Sanduhr, die bis 2018 rieselt.

Mario R. Lackner, Entwicklungsforscher (Mag. dank transdisziplinärem Studiums Internationale Entwicklung), Autor, Dipl. Sexualpädagoge und Leiter des Beratungsstudios DAS!ALLES für Politikberatung, Creative Consulting und Kommunikationstraining. Er konzipierte 2012/2013 seine eigene Kampagne zur niederösterreichischen Landtagswahl, arbeitet(e) bei unterschiedlichen Parteien programmatisch mit (Gesundheit, Jugend, Bildung und Globalpolitik) und betreut aktuell Politiker auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene. Im September erschien sein gesellschaftskritischer Roman „Asta in den Sommerbergen“ als zweiter Teil einer Trilogie im Verlag Berger, zu dem Sie und du hiermit herzlich zu einer multimedialen LeseShow am 19.1.2014 in Wien eingeladen sind: Link

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2 Gedanken zu „Das Geheimnis des Erfolgs der Neos ist gar kein Geheimnis.

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